Momentan mache ich ein Praktikum im Altenheim. Die erste Woche hab ich jetzt hinter mit, dann muss ich nur noch nächste Woche. Schülerpraktikum halt. Ich hatte immer vor, einmal in der Altenpflege zu arbeiten, meine Ausbildung auch dort zu machen, hatte genau dieses Heim im Kopf, in dem ich gerade bin. Aber jetzt? Ich zweifle so sehr daran. Ich bin zu labil für sowas. Es ist ein sehr harter Beruf, das war mir klar, aber dann auch noch mit meinem psychischen Zustand ist es sehr schrecklich, sogar als Praktikum. Allerdings kann ich mir auch nicht viele andere Berufe vorstellen, eigentlich will ich ja bei der Altenpflege bleiben. Aber, was wenn ich das alles nicht schaffe? Meine Vorstellungen für meine Zukunft werden gerade alle durcheinander geworfen.
Ich hatte während dieser Woche schon oft mit den Tränen zu kämpfen. Auf der Arbeit habe ich es immer noch geschafft zu unterdrücken, aber zuhause habe ich dann oft geweint. Ist ja ok, solange ich mir dort nichts anmerken lasse. Aber heute bestand mein Tag nur noch aus Tränen. Auslöser dafür war ein äußerst netter Bewohner. Wir gingen morgens in sein Zimmer, die Schwester, die mich betreut, hat sich im Bad um ihn gekümmert, während ich das Bett gemacht habe und ein wenig für Ordnung im Zimmer sorgte. Auf einmal kam er raus, auf mich zu und hat mich so sehr angemeckert, wie unhöflich ich bin, ihm keinen guten Morgen zu wünschen, er sei ja schließlich schon so alt, das müsse man dann machen, ich bin so unhöflich, das gehört sich nicht... er hat mich ziemlich fertig gemacht, nur wegen einer solchen Kleinigkeit. Das hat mir so sehr zugesetzt, dass es das Fass zum überlaufen gebracht hat und ich angefangen habe zu weinen. Er ist fast blind, sah das also nicht und meckerte einfach weiter. Die Schwester schickte mich dann raus und hat ihn gehörig zurechtgewiesen, dass er derjenige war, der sich unhöflich und unfreundlich verhalten hatte und andere Sachen. Jedenfalls hab ich dann geheult wie sonstwas, nicht nur deswegen, mir ist einfach alles zu viel. Durfte den netten Herren dann immerhin den ganzen weiteren Tag ignorieren.
Das war Heulkrampf Nummer 1.
Gegen Ende der Schicht wollte mir die Schwester noch ein paar Dinge zeigen, die ich dann in der nächsten Woche machen soll. Bei einer Sache davon sollte ich Handschuhe anziehen. Sie hat mir an den Arm gefasst und wollte den Ärmel ein bisschen hochschieben, aber ich hab so schnell und abwehrend weggezogen, dass es wohl sehr auffällig war. Ihr war dann auch sofort klar, was da ist. Und wieder musste ich weinen. Wir redeten ein bisschen darüber, sie war ziemlich verständnisvoll. Aber es ist schrecklich darüber zu reden. Und auf die Frage, warum man das macht, zu antworten, ist auch schlimm. Wobei man das doch eigentlich wissen sollte. Trotzdem kann ich einfach nichts sagen. Ich habe immer wieder angefangen zu heulen, je weiter das Gespräch ging. Zum Schluss gab sie mir noch ihre Handynummer, ich kann sie anrufen, wenn ich mich zum Beispiel wieder verletzen will. Werde ich wohl sowieso nicht machen, aber es ist trotzdem gut zu wissen.
Heulkrampf Nummer 2.
Ja, es war ein wunderbarer Tag heute.